Oxidativer Stress: Wenn das Gleichgewicht kippt
In deinem Körper entstehen ständig winzige Moleküle – die sogenannten freien Radikale. Sie entstehen bei der Energieproduktion in den Mitochondrien, helfen bei der Kommunikation zwischen den Zellen und werden auch gezielt vom Immunsystem produziert, um Bakterien oder Viren zu bekämpfen.
Freie Radikale sind also nicht per se „schlecht“ – sie sind ein natürlicher und wichtiger Teil deines Stoffwechsels.
Doch wenn sie überhandnehmen, passiert im Körper etwas Ähnliches wie bei einem Auto, um das man sich zu lange nicht gekümmert hat: ohne Pflege entstehen Schäden im Lack, und mit der Zeit beginnt der zu rosten. Dieser „Rost“ ist das Ergebnis von oxidativen Prozessen – und genau das geschieht auch in deinen Zellen, wenn das Gleichgewicht zwischen freien Radikalen und Antioxidantien aus dem Ruder läuft.
Dann spricht man von oxidativem Stress – ein Zustand, der deine Zellen belastet, Energie raubt und langfristig Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Regeneration beeinträchtigen kann.
Was passiert bei oxidativem Stress?
Wenn freie Radikale überhandnehmen, können sie deine Zellen angreifen und schädigen. Das zeigt sich auf verschiedene Weise:
Zellwände: Die äußere Hülle deiner Zellen wird instabil, und die Zellen arbeiten nicht mehr optimal.
DNA: Die Baupläne deiner Zellen können beschädigt werden, was langfristig das Risiko für Krankheiten erhöhen kann.
Proteine: Wichtige Eiweiße verlieren ihre Funktion, wodurch viele Prozesse in deinem Körper langsamer oder weniger effizient ablaufen.
Kurz gesagt: Zu viele freie Radikale werfen die Balance in deinen Zellen durcheinander – das spürst du als Energieverlust, schlechtere Regeneration und möglicherweise langfristige gesundheitliche Probleme.
Antioxidantien – die Schutzmechanismen deiner Zellen
Dein Körper hat ein eigenes Verteidigungssystem, um überschüssige freie Radikale in Schach zu halten: Antioxidantien. Sie fangen die Radikale ab, bevor sie Schaden anrichten.
Wichtige Antioxidantien sind:
Enzyme wie Superoxiddismutase (SOD), Katalase und Glutathionperoxidase, die Radikale in harmlose Stoffe umwandeln
Vitamine wie C und E, die Radikale neutralisieren
Pflanzenstoffe aus Obst, Gemüse, Beeren oder Nüssen, die die Zellen zusätzlich schützen
So bleibt das Gleichgewicht erhalten: Freie Radikale erfüllen ihre Aufgaben, ohne die Zellen zu gefährden. Erst wenn das Gleichgewicht kippt, spricht man von oxidativem Stress.
Auswirkungen auf Gesundheit und Alterung
Oxidativer Stress kann sich auf viele Bereiche auswirken:
Entzündungen im Körper
Vorzeitige Hautalterung
Nachlassende Leistungsfähigkeit
Längere Erholungszeiten nach Belastung
Risiko für Herz-Kreislauf- oder Nervenerkrankungen
Warum Frauen ab 35 besonders betroffen sein können
Ab etwa 35 verändert sich der Hormonhaushalt vieler Frauen – Östrogen sinkt langsam ab, was unter anderem die Zellschutzmechanismen und antioxidativen Systeme beeinflussen kann. Dadurch werden Zellen anfälliger für oxidative Schäden, und die Fähigkeit, freie Radikale zu neutralisieren, nimmt leicht ab.
Das kann sich bemerkbar machen durch:
Energieverlust und schnelleres Ermüden
längere Regenerationszeiten nach Sport oder Belastung
Hautalterung oder trockenere Haut
häufigere Stimmungsschwankungen oder verringerte Stressresistenz
Indem du antioxidative Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und ausreichend Schlaf priorisierst, kannst du gezielt gegensteuern und die Zellgesundheit unterstützen – ein zentraler Faktor für Wohlbefinden und Energie auch in der zweiten Lebenshälfte.
Was du tun kannst, um oxidativen Stress zu reduzieren
Antioxidantienreiche Ernährung: Buntes Gemüse, Obst, Nüsse und Hülsenfrüchte
Regelmäßige Bewegung: Moderate Bewegung stärkt die eigenen Schutzsysteme
Stress reduzieren: Meditation, Atemübungen oder Pausen in der Natur helfen, Radikale in Schach zu halten
Ausreichend Schlaf & Erholung: Zellen reparieren sich vor allem nachts
Schadstoffe vermeiden: Rauchen, übermäßige UV-Strahlung und Umweltgifte reduzieren
Weiterführende Quellen
Halliwell, B. & Gutteridge, J.M.C. (2015): Free Radicals in Biology and Medicine.
Liguori, I. et al. (2018): Oxidative stress, aging, and diseases. Clinical Interventions in Aging
Valko, M. et al. (2007): Free radicals and antioxidants in normal physiological functions and human disease. The International Journal of Biochemistry & Cell Biology
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